Bestandsaufnahme
Die Anbindung der Insel Sylt an das
Festland besteht seit 1927 durch den Hindenburgdamm, der zu der
damaligen Zeit als Eisenbahndamm gebaut wurde, weil die Bahn damals das
einzige zuverlässige Verkehrsmittel war und auch die einzige
Deutschlandweite Verkehrsinfrastruktur bot. Natürlich hatte diese
Entscheidung auch politische Hintergründe, aber damals war die Bahn die
beste Wahl. Heute, 75 Jahre später, ist nach wie vor die Bahn der
Haupttransporteur für Personen und Güter von und nach Sylt, Fähre und
Flugzeug können naturgemäß nur einen geringen Anteil der
Beförderungsleistung übernehmen. Im Laufe der Zeit hat sich durch den
enormen Zuwachs von Einwohnern und Gästen sowie auf dem Festland
wohnenden Beschäftigten die Anzahl der Zugpaare stark erhöht, und die
Beförderung von PKWs und LKWs mit dem Autozug belastet das System Bahn
bis über seine Grenzen und führt an Tagen mit besonders hohem
Verkehrsaufkommen zum Verkehrskollaps auf der Insel und auf dem
Festland. Die Folge sind erhebliche Verspätungen im Zugverkehr und
dadurch verpaßte Anschlüsse auf den Umsteigebahnhöfen sowie
unmöglich lange Wartezeiten bei der Autoverladung. Eine besondere
Situation ergibt sich auch durch die Trassenführung der Bahn, denn die
Gleise durchschneiden die Insel in Ost-West Richtung von Morsum bis
Westerland und das führt natürlich dazu, das bei der hohen Zugfrequenz
die beschrankten Bahnübergänge oftmals geschlossen sind und lange
Staus verursachen.
Ein weitere großer Nachteil ist natürlich der durch den Fahrplan der
Bundesbahn eingeschränkte Zugang nach Sylt, keiner kann nach seinem
eigenen Plan und Gusto von und nach Sylt, eingezwängt in das starre
Korsett der Fahrpläne sind auch private und öffentliche Notfälle. Es
soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, das die Bahn einiges
unternommen hat um die Situation zu verbessern, doch die vorhandenen
Probleme sind systemimmanent und das überholte Bahnkonzept kann auch
durch die Verbesserungen nicht zeitgemäß optimiert werden und bringt
für die Insel, ihre Einwohner, und vor allen Dinge ihre Gäste keine
Verbesserung.
Immer deutlicher müssen wir
feststellen, daß die Bahn AG uns täglich den Verkehrskollaps auf die
Insel herüber fährt und dadurch immer mehr zu einer Belastung für die
touristischen, wirtschaftlichen und umweltpolitischen Belange der Insel
geworden ist.
In einer Zeit rasend schneller Entwicklung kann Sylt sich nicht der
Zukunft verschließen und muß sein Angebot effizient und
wettbewerbsfähig gestalten und den Mut aufbringen, sich von alten
Verkrustungen zu lösen.
Das Sylter Verkehrsproblem ist seit 30 Jahre
ein immer aktuelles Thema in der Politik der Insel. Gute Konzepte wie zum Beispiel die
Variante
8a wurden um Haaresbreite von den politischen Gremien verworfen.
Die Hilflosigkeit der vorgeschlagenen Konzepte und letztlich auch der
bevorstehenden Umgehungsstraße Keitum sind in unseren Augen nur
Flickschusterei. Die Umgehung Keitum ist nur für den Ort Keitum eine
Entlastung, verschafft aber der Verkehrssituation auf Sylt keine
Verbesserung.